Anmerkungen zum englischen Währungswesen

Gewichte und Zählweisen

Die Angaben in Gramm sind mit Vorsicht zu genießen. Fast jede Quelle liefert leicht abweichende Gewichte. Eine sehr gute Übersicht findet man in Mahlis (2003).

Gewichte
1 Karlspfund (lb) ≈ 406,4g
1 London pound = 466,552g
1 Avoirdupois pound = 453,592g = 16 oz. (ounce à 28,35g) = 7000 grain
1 Merchant pound = 437,392g
bis 1526:

1 Tower pound = 349,914g
1 Tower mark = ⅔ Tower pound = 233,275g
1 Tower pound = 3/2 Tower mark = 12 Ounces = 240 Pennyweight = 7680 Grains
1 Grain = 45,56mg
nach 1526:
1 Troy pound (lb.tr.) = 373,241g
1 lb.tr. = 12 Troy ounces (oz.tr.) = 240 Pennyweight = 5760 Grains
1 Grain = 64,8mg
1 Sterling = 1/240 lb.tr = 1,555g
Sterlingsilber ist eine Silberlegierung aus 92,5% (14,8 lötig) reinem Silber.
Nominale Einheiten
1 Pound = 20 Shilling = 240 Pence = 960 Farthings
Farthing = vierter Teil (eines Pence)

Historische Anmerkungen England betreffend

Eduard III. (1312–1377), König von England (1327–1377)
Heinrich IV. (1366/67–1413), König von England (1399–1413)
Heinrich VI. (1421–1471), König von England (1422–1461 und 1470–1471), Haus Lancaster
Eduard IV. (1442–1483), König von England (1461–1470 und 1471–1483), Haus York
Richard III. (1452–1485), König von England (1483–1485)
Heinrich VII. (1457–1509), König von England (1485–1509), Haus Tudor
Heinrich VIII. (1491–1547), König von England (1509–1547) und Irland (ab 1541)
Eduard VI. (1537–1553), König von England und Irland (1547–1553)
Elisabeth I. (1533–1603), Königin von England und Irland (1558–1603)
Jakob (James) I. (1566–1625), König von England und Irland (1603–1625), König von Schottland (1567–1625)
Karl I. (1600–1649), König von England, Schottland und Irland (1625–1649)
Karl II. (1630–1685), König von England, Schottland und Irland (1660–1685)

Schon früh (1363, Eduard III.) hat die englische Regierung versucht, das im Inland zirkulierende Geld auf englische Münzen zu schränken. Fremdes Geld muss daher entweder bei offiziellen Stellen getauscht werden (The Encyclopaedia Britannica, Art. Coinage) oder gegen Gebühr (seignorage = Schlagschatz) zum Beispiel im Tower oder in der Münze von Calais umgemünzt werden (van der Beek et al., 2009, S. 40).
1279: Eduard I. verlegt die (Haupt-)Münze in den Tower von London.
1348: Neben Silbermünzen werden von nun an auch Goldmünzen hergestellt.
1360: Die erste Rate des Lösegeld für den französischen König Johann II. erreicht London und wird im Tower umgemünzt.
1489: Der Sovereign wird als Goldmünze im Wert von 20 Schilling eingeführt.
1526: Die Gewichte im Münzwesen werden umgestellt.
1544: Vor Heinrich VIII. werden Goldmünzen aus 23 7/8 karätigem Gold geschlagen. Unter Heinrich VIII. wird das sogenannte crown-gold für die Goldkronen auf 22 Karat reduziert. 1544 wird schließlich die «Große Münzverschlechterung» angeordnet. Um seine Kriegsführung und seinen extravaganten Lebensstil zu finanzieren, werden der Gold- und Silbergehalt der Münzen drastisch reduziert. (20 karätiges Gold und etwa 5⅓ lötiges Silber)
1547–1553: Während der Regierungszeit Eduards VI. verschlechtern sich die Münzen weiter aus den gleichen Motiven wie zuvor.
1553–1558: Nach anfänglichen Versuchen, das Münzwesen zu reformieren, gerät Maria I. in Geldnöte und die Münzen werden noch minderwertiger.
1560: Weil ausländische Kaufleute und Bankiers das entwertete Geld nicht mehr akzeptieren und in Gold bezahlt werden wollen, droht der Handel durch die englische Goldknappheit zusammenzubrechen. Elisabeth I. ordnet daher ein Ummünzung aller durch ihren Vater entwerteten Münzen an.
1642: Das Parlament übernimmt die Kontrolle über den Tower und die Münze. Allerdings wird weiterhin das Porträt von König Karl I. auf die Münzen geprägt.
1696: Wilhelm III. ordnet wegen der großen Zahl minderwertiger und gefälschter Münzen an, alle Silbermünzen einzusammeln und neu zu münzen (Great Recoinage).
Isaac wird zum Münzwardein ernannt. 1699—1727 bekleidet er als erster das neue Amt des Münzmeisters.
1703: Der in der Seeschlacht von Vigo erbeutete spanische Silberschatz wird in den Tower geschafft und zu Münzen verarbeitet.
1717: Die Doppelwährung (1 Guinea = 21 Schilling) basiert auf dem Bimetallismus aus Gold und Silber. Sie scheitert letztlich an dem ständig steigenden Silberpreis, so dass das minderwertige Goldgeld das unterbewertete Silbergeld verdrängt (Greshamsches Gesetz).

1797: Während der Wirtschaftskrise stoppt die Bank von England alle Goldzahlungen. Um schnell an englisches Geld zu kommen, werden fremde Münzsorten eingesammelt und das Porträt von König George III. wird einfach aufgestempelt.
1810: Wegen des technischen Fortschritts verlässt die Münze den Tower nach mehr als 500 Jahren.
1816: Die Goldwährung ersetzt den Bimetallismus, dessen Gundlage – das Tauschverhältnis von Gold zu Silber – nie adäquat fixiert worden ist.

Ausgewählte englische Goldmünzen

Angel, Angelot oder Engel Nobel. Der Angelot

Engel Nobel, Angelot oder Angel

Im September 1461 hebt Edward IV. den Wert des Nobel auf 8 shilling 4 penny an, ohne das Gewicht zu verändern. Bald darauf wird der Henricus Nobel durch den Rosennobel und den abgebildeten Angelot abgelöst. Dieser Angel zeigt im Avers den namengebenden Erzengel Michael.

ist eine englisch-französische Goldmünze, die von Heinrich VI. in Frankreich als Unterstück des Salut geschlagen worden ist.

Crown oder englische (Gold-)Krone. Die Crown ist eine Nachahmung der französischen Krone und wird 1526 unter Heinrich VIII. eingeführt. 1 Goldkrone = 1 Silberkrone = 5 Schilling. Da der Goldkern der Krone rapide abnimmt (1526: 2,85g Feingold; 1601: 2,55g), wird sie im Handel kaum noch akzeptiert und muss 1663 durch die Guinea ersetzt werden.

Engel Nobel oder einfach Engel siehe Angel.

Groat. Groats werden 1351 unter Eduard III. im Wert von 1 Groat = 4,23g Feingold = 4 Pennies eingeführt. Der Groat bringt unter Richard III. (1483–1485) nur noch 3g Feingold auf die Waage. Einen neuen Typus mit nur noch 2,77g Feingold führt Heinrich VII. ein. Bis 1836 sinkt der Goldkern auf 1,88g und 1856 wird die Prägung beendet.

Guinea. Die Guinea

Guinea aus England

Unter Karl II. wird die Guinea 1663 als Hauptgoldmünze Englands eingeführt. Zunächst entspricht 1 Guinea = 7,77g Feingold, ab 1670 nur noch 7,688g. Im Bimetallismus von 1717 wird 1 Guinea = 21 Schilling festgelegt.

wird 1663 unter Karl II. als Hauptgoldmünze Englands eingeführt und ist die erste Münze, die maschinell hergestellt wird. Zunächst gilt 1 Guinea = 7,77g Feingold (ab 1670: 7,688g) = 20 Schilling. Bis 1695 steigt der Wert auf bis zu 30 Schilling wegen der Verschlechterung der Silbermünzen. Bis zu ihrer Abschaffung 1817 gelingt es nicht, die Guinea in ein vernünftiges Verhältnis zum Schilling zu setzen, so dass sich das marktmäßige Verhältnis von Gold zu Silber (1 : 14,97) darin widerspiegeln würde. An diesem Mangel scheitert der Bimetallismus von 1717, der 1 Guinea = 21 Schilling fixiert hat.

Krone siehe Crown.

Henricus Nobel (1411) unter Heinrich IV. siehe Nobel.

Nobel. In England werden die ersten Nobel oder auch Schiffsnobel

Englischer Schiffsnobel

König Edward III. von England lässt seit 1344 Nobel herausgeben, die in Erinnerung an den Sieg über die französische Flotte in der Seeschlacht von Sluis (1340) auf dem Avers den König auf einem Schiff zeigen.

1344 unter König Eduard III. herausgegeben. Die Goldmünze setzt bis Ende des 14. Jahrhunderts als Leitmünze im Nord- und Ostseehandel durch. Der Feingehalt des Nobel liegt bei 995/1000 (das ist 23 7/8 karatiges Gold), sein ursprüngliches Raugewicht von 8,86g wird zunächst auf 8,33g in der Goldprägeperiode 1346–1351 und in der Periode 1351–1377 auf 7,78g und schließlich 1411 auf 7,0g (Henricus Nobel) unter Beibehaltung von Feingehalt und Nennwert verringert.
bis Sep. 1461: 1 noble = 6 shilling und 8 penny = 80 penny = 320 farthing
ab Sep. 1461: 1 noble = 8 shilling und 4 penny

Pfund Sterling. Die britische Rechnungsmünze (1 Pfund = 20 Schilling = 240 Pfennig) wird immer wieder versucht auch als Goldmünze (z.B. Sovereign) abzubilden. Alle Versuche scheitern daran, dass sich die Silbermünzen relativ schneller als die Goldmünzen verschlechtern und so entsprechend dem Greshamschen Gesetz die Goldmünzen verdrängen. Erst mit der Goldwährung 1816 erhält der Sovereign als Ersatz für die Guinea die Geltung eines Pfund Sterling.

Rosennobel oder Ryal. Unter Eduard IV. werden 1465 englische Rosennobel

Rosennobel aus England

Unter Edward IV. wird seit 1465 der Rosennobel als neue Goldmünze in leicht abgeänderter Form ausgegeben. Er zeigt auf der Vorderseite als Anspielung auf das Haus York, das mit Edward IV. auf den englischen Thron gekommen ist, zusätzlich eine auf das Schiff aufgelegte fünfblättrige Rose.

eingeführt, die sich vom Nobel vor allem durch die zusätzliche Rose des Hauses York auf dem Schiff im Avers unterscheiden. 1 Rosennobel = 7,734g Feingold = 10 Schilling. Die englischen Rosennobel sind nicht nur von ihren schottischen Verwandten, sondern auch von mehreren Nachprägungen z.B. in den Niederlanden, Jülich und Kopenhagen zu unterscheiden.

Ryal. Den Ryal oder Rosennobel gibt es in verschiedenen Varianten als englische oder schottische Goldmünze, aber auch als schottische Silbermünze. Der schottische Rose Ryal wird 1615– 1619 unter Jakob I. geprägt: 1 Rose Ryal = 13,74g Feingold = 30 Schilling.

Schiffsnobel siehe Nobel.

Sovereign. Der Sovereign

Sovereign aus England

Dieser Sovereign ist unter Heinrich VII. 1493–1495 geprägt worden. Im Revers wird die Tudor Rose dargestellt, die sich nach dem Rosenkrieg aus einer Kombination der roten und weißen Rosen von Lancaster und York ergeben hat.

wird 1489 unter Heinrich VII. als Goldmünze eingeführt. 1 Sovereign = 15,47g Feingold = 20 Schilling. Bis 1601 wird der Goldkern immer weiter bis auf 10,213g verringert. Mit der Einführung der Goldwährung 1816 wird der Sovereign zu 7,3224g Feingold zur Hauptgoldmünze in England.

Unite oder Unit. Unite

Unite

Der Unite wird unter Jakob (James) I., König von England und Irland (1603–1625) und später auch König von Schottland (1567–1625) eingeführt. Der abgebildete Unite stellt seinen Nachfolger Karl I. dar. Das Wappen im Revers weist ihn als König von England, Schottland und Irland aus.

werden 1604–1610 unter Jakob I. als englisch, schottische Goldmünze geprägt. 1 Unite = 9,2g Feingold. Unite werden zwar in Varianten auch unter Jakobs Nachfolger Karl I. bis zur Revolution gemünzt, erlangen aber keine größere Bedeutung.

Ausgewählte englische Silbermünzen

(Silber-)Krone. Die silberne Krone wird als Pendant zur goldenen Krone (also eine Art englischer Taler) vorübergehend 1551–1555 eingeführt. Erst 1604 wird sie wieder häufiger mit einem Gewicht von 28,546g Feinsilber geschlagen. Seit 1816 ist sie bloße Scheidemünze. 1605–1622 gibt es auch eine schottische Krone zu 60 Schilling schottisch.

Testoon. Diese schottische Silbermünze ist 1553–1562 geprägt worden. 1 Testoon = 4,66g Feinsilber = 4 Schilling schottisch. Erstaunlicherweise wird diese Münzsorte zunächst schwerer (1555: 5,72g), verliert dann aber wieder an Gewicht (1562: 5,61g).

Zusammenfassung

Für die englische Währungspolitik sind vor allem zwei Muster bemerkenswert. Zum einen wird über Jahrhunderte versucht, heimisches und fremdes Geld zu separieren, so dass in England möglichst nur englische Münzen zirkulieren und keine englischen Münzen das Land verlassen. Diese Strategie behindert zwar den Handel, der Zwangsumtausch oder die Ummünzung sind zunächst aber lukrativ für den jeweiligen Münzherren. Zum anderen wird immer wieder versucht, einen Bimetallismus mit einem offiziellen Tauschverhältnis von Gold zu Silber vorzuschreiben. Alle hoheitlichen Maßnahmen scheitern jedoch schließlich an den faktischen Marktverhältnissen. Erst mit der Goldwährung von 1816 wird das Problem falscher, staatlich verordneter Relativpreise gelöst.