Anmerkungen zum französischen Währungswesen

Gewichte und Zählweisen

Die nachstehenden Angaben sind nach von Schrötter (Hrsg.), Wörterbuch der Münzkunde zusammengestellt worden, wobei Du Cange (1883–1887) und Blanchet (1916) häufig abweichende Angaben machen. Zu den Maßeinheiten und Zählweisen vgl. auch Mahlis (2003).

Sofern nicht anders vermerkt, beziehen sich die Gewichtsangaben hier immer auf die Troymark. Für Gewichte gilt in Frankreich ab 1205 Wird nicht mit Esterlin, sondern mit Deniers gerechnet, dann gilt Mit diesem Grain poid de marc lassen sich die Gewichtsangaben für Münzen in du Cange (1883–1887, Bd. 3) relativ gut nachvollziehen.

An dem System orientieren sich auch die Handelsstädte Tours und Troyes mit folgenden wichtigen Hinweisen: wobei die Troymark zur Grundlage für die Münzprägung in ganz Frankreich wird.
Speziell in Paris wird um 1200 mit dem Handelsgewichtspfund gearbeitet: Die Zählweise bei Münzen ergibt sich aus der nominalen Umrechnung:
1 Livre = 20 Sols (oder Sous) = 240 Deniers = 480 Oboles
1 Talentum = 20 Solidi = 240 Denarii = 480 Oboloi
1 Pound = 20 Schillinge = 240 Pences = 960 Pites (Farthings)
Dieser Rechnung folgen sowohl das System von Tours als auch von Paris, aber von dem Troypfund ist das Pariser Pfund streng zu unterscheiden:
1 livre tournois = 20 sols tournois (s.t.) = 240 deniers tournois (d.t.)
1 livre parisis = 20 sols parisis = 240 deniers parisis
aber: 4 deniers parisis = 5 deniers tournois
Damit lässt sich das Tauschverhältnis von Gold zu Silber über Turnosegroschen berechnen, sofern deren Münzfuß bekannt ist.

Im Münzwesen sind weitere Gewichtseinteilungen für Edelmetalle zu beachten, wobei die Troymark zu 244,753g für die nachstehenden Rechnungen die relevante Bezugsgröße darstellt. Für weitere Verwirrung sorgt die Tatsache, dass sich die Gewichtsangaben für Silbermünzen bis 1427 auf die Troymark Feinsilber (12d fein) beziehen. Ab 1448 wird d'argent le roi verwendet, das 11 deniers 12 grain fein ist. Die Angabe "3d" heißt also, dass die Troymark (= 12d = 233,753g) 3d Königssilber und enthält. Somit handelt es sich um 61,2 / 12 * 11,5 = 68,54g Feinsilber.

Historische Anmerkungen Frankreich betreffend

Kapetinger: Valois: Burgund (Herzöge):

1263 erlässt Ludwig IX. eine Anordnung, durch die nur noch solche Münzen als offizielles Zahlungsmittel anerkannt werden, die in der Krondomäne von der Krone geschlagen worden sind. Zu den akzeptierten Münzen, zählen der um 1270 eingeführte Écu d'or und seit 1266 der große Silberschilling «Gros tournois» (grossus denarius turnosus, Groschen).

Als Philipp IV. den Goldpreis künstlich nach oben setzt, fließt soviel Gold aus dem Handel mit dem Süden nach Frankreich – vgl. Greshamsches Gesetz –, dass seine Nachkommen ab 1337 Goldmünzen in größeren Mengen produziert lassen können.

Für das Haus Valois ist zu beachten, dass ihre Geldpolitik vor allem durch den 100jähriger Krieg zwischen England und Frankreich (etwa 1337–1453) geprägt wird.
Parallel versuchen die Herzöge von Burgund eine weitere Großmacht in Europa zu etablieren (Burgund, Flandern, Brabant, Holland, usw.), was mit dem Tod Karls des Kühnen in der Schlacht bei Nancy endgültig gescheitert ist.

Das im Zuge des 100jährigen Krieges verkommene Geldwesen wird 1365 durch Karl V. weitreichend und erfolgreich reformiert. Mit dem Franc d'or à pied aus reinem Gold und dem Gros tournois aus reinem Silber erhält das Münzwesen eine solide Basis, wobei gleichzeitig die Tauschrelation Gold : Silber = 1 : 10,5 festgelegt wird.

Ausgewählte französische Goldmünzen

Die Angabe «24-karätiges Gold» sollte wohl besser «fast reines Gold» heißen. Die lateinischen bzw. französischen Namen der jeweiligen Münzen enthalten häufig den Zusatz auri puri bzw. d'or fin; vgl. hierzu du Cange (1883–1887, Bd. 3).

Angelot, Unterstück zum Salut d'or.

1 Angelot = ⅔ Salut = 2,32g
105 Angelot auf die 24 karätige Troymark
1 Angelot = 15 s.t.

Agnel d'or (Denarius auri cum Agno, Denier d'or à l'Agnel), siehe Mouton d'or. Gemeint ist das auf der Münze dargestellte Lamm Gottes (l'Agneau de Dieu) oder umgangssprachlich Schaf (= mouton).

Agnelet oder Agnelot (= Lämmchen), siehe Mouton d'or.

Ange d'or (Denarius auri puri cum Angelo, Denier d'or fin à l'Ange) (ange = Engel, vgl. Abbildung)

Ange d'or (Philipp VI.)

Der Ange d'or Philipps VI. hat seinen Namen von dem abgebildeten Engel im Avers der Münze. Der hl. Michael hält links den französischen Lilienschild und mit dem liliengeschmückten Kreuz in der rechten Hand bezwingt er den niedergedrückten Drachen (schlecht erkennbar) zu seinen Füßen.

unter Philipp VI.
33 Stück auf die 24-karätige Troymark (also 7,42g Gold)
1 Ange d'or = 75 s.t. = 60 sols parisis
Die Angabe muss eventuell in 33⅔ Stück zu 7,27g korrigiert werden, denn in du Cange (1883–1887, Bd. 3, Spalte 916) heißt es: 33 & 2 tert. ad marcam.
ab 1341 leichter: 38 Stück auf die Troymark (also 6,44g Gold)
ab 1342 noch leichter: 42 Stück auf die Troymark (also 5,83g Gold)
ab 1386 Philipp der Kühne (in Flandern)
deniers appelez angeles, 23½ karätig, 47¾ auf die Troymark (also 4,8g Feingold)

Chaise d'or (Florenus cum Cathedra, Florin à la Chaire) (der König sitzt auf einem «Stuhl», vgl. Abbildung)

Chaise d'or (Philipp IV.)

Die Chaise d'or wird ab 1303 unter Philipp IV. geprägt, wobei sich der Name «chaise» oder «Stuhl» auf den abgebildeten gothischen Thron bezieht, auf dem der König mit Zepter und Lilie in den Händen sitzt.
Das Münzedikt von 1346 unter Philipp VI. bezeichnet die Münze als Denarios aureos ad Cathedram (à la Chaiere) im Wert von 16 sols parisis (= 20 s.t.).


ab 1303 unter Philipp IV. als echter doppelter Florin ausgemünzt.
35 Stück aus der 24 karätigen Troymark (also 7g Gold)
1 Chaise d'or = 62½ s.t. = 50 sols parisis (unplausibel)
Die Angabe 62½ s.t. findet man zwar in mehreren Quellen, plausible Ergebnisse im Vergleich zu anderen Münzen stellen sich aber nur ein, wenn man mit 20 s.t. rechnet, wie sie in du Cange (1883–1887, Bd. 3, Spalte 911) für Januar 1308 angegeben werden.
Im Vergleich zur Maille demie, die 2,02g Feinsilber enthält und 7½ d.t. wert ist, ergibt sich mit den Werten aus du Cange eine Relation von
Gold : Silber = 1 : 9,25.
Der Chaise d'or wird später ab 1346 unter Philipp VI. leichter ausgebracht.
52 Stück aus der 24 karätigen Troymark (also 4,7g schwer)
1 Chaise d'or = 20 s.t. = 1 livre tournois
Couronne d'or (Denarius auri puri cum Corona, Denier d'or fin à la Couronne) oder Kronenschild (1340) unter Philipp VI. (Abbildung)

Couronne d'or Philipps VI.

Die Couronne d'or heißt auch Kronenschild und wird 1340 unter Philipp VI. geprägt.

Der Écu d'or à la couronne Karls VI. zeigt den französischen Schild mit Krone.

45 Stück aus der 24-karätige Troymark (also 5,44g Gold)
1 Couronne d'or = 40 s.t. = 2 livre tournois
Ab 1385 wird unter Karl VI. eine andere Couronne d'or – nämlich der Écu d'or à la Couronne – nachgeprägt.
60 Stück aus der 24-karätige Troymark (also 4,08g Gold)
1 Couronne d'or = 22 s.t. 6 d.t.
Karl VII. lässt ab 1436 außerdem eine leichtere Écu à la couronne nouveau

Écu d'or à la couronne nouveau

Der Écu d'or à la couronne nouveau wird unter Karl VII. hergestellt. Er ist leichter als die bisherigen Kronenschilde und wiegt nur noch 3,5g Feingold. Die gleiche Münze wird 1474 unter Ludwig XIV. weiter entwertet (72 Stück aus der 23 1/8-karätigen Mark) und dann vom Écu au d'or soleil (Sonnengoldschild) abgelöst.

prägen.
70 Stück aus der 24-karätige Troymark (also 3,5g Gold)
1 Écu à la couronne nouveau = 25 s.t.
Denier à la Reine (Denarius cum Regina, Florin d'or à la Reine) ab 1305 unter Philipp IV. (Abbildung)

Denier à la Reine oder Denarius cum Regina

Der Name der Münze bezieht sich auf das Avers. Dort wird Blanka von Kastilien, die Mutter Ludwigs IX. abgebildet und die Umschrift lautet: BLANCHA REG. LUDOVICI FRANC. REGIS MATER.
Die Abbildung ist du Cange (1883–1887, Bd. 3, Tabelle 4 zur Spalte 912) entnommen. Vermutlich handelt es sich um die etwas schwerere Varianate des Bon à la Reine (Bonus cum Regina).

54 Stück aus der Troymark (also 4,53g)
1 Denier à la Reine = 14 s.t.
Eine Variante dieses Denier à la Reine heißt Bon à la Reine (Bonus cum Regina), er ist mit einer Aufzahl von 52½ etwas schwerer und 15 s.t. wert.

doppelter Helmgulden (Goldgulden mit doppeltem Helm) Grafschaft Flandern, Philipp der Kühne von Burgund (1384–1404) 4,05g gemessen

doppelter Mouton d'or (dobbele moetonen, Dubbele Lamm, Groot Gouden Lamm) Brabant (ab 1367) Johanna und Wenzel (1355–1383) 5,8g der einfache Mouton d'or wiegt hier 4,5g (gemessen)

Double royal d'or (Denarius auri puri Duplices Regales) (eine Art Chaise d'or, vgl. Abbildung)

Double royal d'or

Den abgebildeten Double royal d'or hat Philipp VI. ab 1340 herstellen lassen. Der Double d'or unter Karl VI. im Wert von 8 livre tournois ist nur 1420 hergestellt worden.

1340 unter Philipp VI.
36 Stück je 24-, später 23-karätige Troymark (also 6,8g Raugewicht)
1 Double royal d'or = 60 s.t.

Double d'or (nur 1420) = Chaise d'or unter Karl VI.

40 Stück je 24 karätige Troymark (also 6,12g Gold)
1 Double d'or = 160 s.t. = 8 livre tournois

Écu (= Schild, französische Krone) oder Gouden Schild

Florin d'or (petit) (Florenus parvus) oder auch Petit Royal Assis (Abbildung)

Florin d'or oder Petit Royal Assis

Der Petit Royal Assis (kleiner sitzender König) ist seit 1290 unter Philipp IV. geprägt worden und entspricht seinem Vorbild aus Florenz.
Es verwundert daher nicht, dass du Cange ein alternatives Münzbild präsentiert, welches dem Original stark ähnelt: S. Johannes Baptista (der Täufer) im Revers und die typische Lilie im Avers mit der Umschrift P DI GRA FRA (Philipp von Gottes Gnaden (dei gratia) König der Franken (francorum rex)).

ist seit 1290 unter Philipp IV. geprägt worden und entspricht seinem Vorbild aus Florenz.
3,54g aus 24-karätigem Gold
1 Florin d'or = 10 s.t. = ½ livre tournois
Auch Philipp VI. lässt einen Florin d'or (1346–1350) schlagen. Dieser Florin Georges (Denarius boni auri puri) gilt 48 s.t., er wiegt 4,68g und er ist ungewöhnlich, weil im Avers der heilige Georg als Drachentöter dargestellt wird; vgl. die Abbildung.

Florin S. Georges

Der Florin Georges Philipps VI. ist ungewöhnlich, weil im Avers der heilige Georg auf einem Pferd reitend dargestellt wird, der einem Drachen seine Lanze in den Rachen stößt.

Franc d'or à Cheval (Francus auri puri, Franc d'or fin) (cheval = Pferd) ab 1360 unter Johann II. und Karl V. (Abbildung)

Franc d'or à Cheval

Der Franc d'or à Cheval stellt König Johann II. zu Pferd (= cheval) und mit gezücktem Schwert dar. Die Namensgebung Franc bezieht sich wohl auf die Umschrift FRANCORUM REX oder auf das Wort franc (= frei). Die zweite Variante geht von der Legende aus, dass dieser Franc zur Bezahlung des Lösegeldes verwendet worden ist, nachdem Johann II. aus englischer Gefangenschaft freigelassen worden ist.

63 Stück aus der 24-karätigen Troymark (also 3,885g Feingold)
1 Franc d'or fin à cheval = 20 s.t. = 1 livre tournois
Der grand franc d'or fin ist eine konsistente Variante aus dem Jahr 1361 mit einer Aufzahl von 42 (also 5,827g Feingold) und einem Wert von 30 s.t.
Der Franc à cheval wird in den Niederlanden nachgeahmt als Rijder.

Franc d'or à pied (Francus pedites, 1365), im Gegensatz zum Franc d'or à cheval (Francus equites) wird König Karl V. stehend, also zu Fuß (à pied) dargestellt. (Abbildung)

Franc d'or à pied

Der Franc d'or à pied stellt König Karl V. stehend, also zu Fuß (à pied) unter einem Baldachin dar. Er hält Zepter (Hand der Gerechtigkeit) und Schwert (Herrschergewalt durch das Schwert Karls des Großen) in den Händen. Obwohl dieser Franc etwas leichter ist als der Franc d'or à Cheval (64 statt 63 Stück je Troymark) haben beide Münzen den gleichen Nominalwert von 20 s.t.

64 Stück aus der 24-karätigen Troymark (also 3,824g Feingold)
1 Franc d'or à pied = 20 s.t. = 1 livre tournois
Mit dem Franc d'or à pied aus reinem Gold und dem Gros tournois aus reinem Silber reformiert Karl V. das im Zuge des 100jährigen Krieges immer liederlichere Geldwesen 1364 erfolgreich. Das Geldwesen wird auf eine wertstabile Basis gestellt und die Gold-Silber-Relation wie folgt hoheitlich festgelegt
1 Franc d'or à pied = 3,885g Gold = 20 s.t. = 240 d.t.
1 Gros tournois = 2,549g Silber = 15 d.t.
Gold : Silber = 1 : 10,5

Gouden Lamm siehe Mouton d'or

Gouden Leeuw siehe Lion d'or

Gouden Pieter siehe Pieter d'or

Klinkaert ist wohl eine Verballhornung des Écu d'or.

Kronenschild siehe Couronne d'or.

Lion d'or (Gouden Leeuw Denarius auri puri cum leone, denier d'or fin au lion) unter Philipp VI. (zum dargestellten Löwen vgl. die Abbildung)

Lion d'or (Gouden Leeuw)

Der Lion d'or Philipps VI. zeigt auf dem Avers einen hingestreckten Löwen zu Füßen des Königs, der wie auf dem Chaise d'or auf einem gothischen Thron (lat. cathedra) sitzt.

50 Stück auf die 24-karätige Troymark (also 4,9g)
1 Lion d'or = 25 s.t. = 1 livre parisis
Anmerkung: Es gibt auch andere burgundische Lion d'or aus Brabant (Anton von Brabant, 1406–1415) und Flandern (Philipp der Gute, 1419–1467).

Mantelet d'or ist ein Beiname für den Petit Royal d'or, Regales parvi auri puri, petit Royaux d'or fin oder petit royal debout (Abbildung)

Mantelet d'or

Der Mantelet d'or wird 1305–1308 unter Philipp IV. herausgegeben. Der Name bezieht sich auf den sitzenden König im Hermelinmantel im Avers der Münze. Da der König steht, heißt die Münze auch «petit royal debout».


ausgegeben 1305–1308 unter Philipp IV.
70 Stück aus der 24 karätigen Troymark (also 3,5g, gemessen 3,39g)
1 Mantelet d'or = ?(entweder 11 s.t. oder 11 s.p.=13¾ s.t.)
Masse d'or (Denarius cum Massa, Denier à la Mace) (masse = Stab, Zepter, lat. regalis ad massam)
Der ursprüngliche masse d'or unter Philipp III. wird als petite masse d'or spezifiziert, weil die späteren zwar minderwertig, aber größer sind.
etwa 4,75g aus 24-karätigem Gold
Der etwas größere Masse d'or (grand Royal, 1296–1310) unter Philipp IV. (Abbildung)

Masse d'or (Philipp IV.)

Der Masse d'or unter Philipp IV. ist seit 1290 geprägt worden und entspricht seinem Vorbild aus Florenz. Der Name bezieht sich auf das abgebildete Zepter (lat. regalis ad massam, frz. masse). Da er zunächst das doppelte Gewicht des petit Royal aufweist, firmiert er auch als grand Royal.

ist seit 1290 unter Philipp IV. geprägt worden und entspricht seinem Vorbild aus Florenz. Er wird als doppelter Florin angepriesen, enthält aber kein reines Gold. Der königliche Versuch, durch diese massive Entwertung Gewinne einzustreichen, bringt dem Masse d'or den Namen «falscher doppelter Florin» ein.
35 Stück je 22- oder gar 21-karätige Troymark
(also 6,93g Raugewicht und 6,31g bzw. 6,1g Feingewicht)
1 Masse d'or = 30 bzw. 25 s.t.
beachte: 25 s.t. = 20 sols parisis = 1 livre parisis

Mouton d'or, Agnel d'or oder Gouden Lamm
  1. ab 1311/1313 unter Philipp IV. bis Karl IV. (Abbildung)

    Mouton d'or, Agnel d'or oder Gouden Lamm

    Das abgebildete Lamm Gottes (l'Agneau de Dieu) hat der Münze seinen Namen gegeben, wobei man sich umgangssprachlich eher auf mouton (= Schaf) bezogen hat. Die Münze ist etwa 1311 von Philipp IV. eingeführt und bis zum letzten Kapetinger Karl IV. beibehalten worden.

    58⅓ Stück auf die 24 karätige Troymark (also 4,2g)
    1 Mouton d'or = 20 s.t. = 1 livre tournois
    1 s.t. entspricht hier 0,21g Gold.
    Zwei Münzgewichte für diesen Agnel d'or weisen nur 3,9g oder gar 3,6g aus.
  2. ab 1354 unter Johann II. der Gute
    52 Stück auf die 24 karätige Troymark (also 4,7g)
    1 Mouton d'or = 25 s.t.
    1 s.t. entspricht nun 0,188g Gold.
    (auch als ein Halbstück, der Agnelet oder Agnelot (= Lämmchen))
  3. ab 1417 unter Karl VI. und Karl VII.
    96 Stück auf die 23- und 22-karätige Troymark (also 2,65g Raugewicht)
    1 Mouton d'or = 20 s.t.
    1 s.t. gilt nun 0,122g Gold, wenn man 23-karätiges Gold ansetzt.

Noble England (ab 1344) Schiffsnobel (Philipp II. von Burgund)

Parisis d'or (Parisiensis aurei) 1329 unter Philipp VI. (Abbildung)

Parisis d'or

Der Parisis d'or Philipps VI. entspricht einem pariser Pfund (livre parisis = 25 s.t.). Dagegen liefert der Chaise d'or Philipps VI. nur ein livre tournois = 20 s.t.
Wie bei dem Lion d'or befindet sich zu Füßen des Königs ein Löwe, der allerdings kaum zu erkennen ist.

33 Stück aus der 24-karätigen Troymark (also 7,42g Gold)
1 Parisis d'or = 25 s.t. = 1 livre parisis (unplausibel)
Vermutlich sind die Angaben in Anlehnung an du Cange (1883–1887, Bd. 3, Spalten 914–915) wie folgt zu korrigieren: 33 3/5 Stück aus der Troymark (7,28g Gold).

Pavillon d'or (Denarius auri puri cum Papilione, Denier d'or fin au Pavillon) oder Pauweloyn (1339–1350) unter Philipp VI. (Abbildung)

Pavillon d'or (Pauweloyn)

Philipp VI. hat den Pavillon d'or herausgegeben, dessen Name das Zelt, in dem der König sitzt, bezeichnet.

48 Stück auf die Troymark (also 5,1g Raugewicht)
1 Pavillon d'or = 30 s.t.

Petit Royal Assis (kleiner sitzender König) siehe Florin d'or.

Petit Royal d'or siehe Mantelet d'or.

Pieter d'or (Gouden Pieter) ab 1375 in Brabant unter Johanna und Wenzel

60 Stück auf die Troymark zu 23 Karat 9 Grän
(also 4,08g Raugewicht, 4,04g Feingewicht)
ab 1392 unter Johanna von Brabant
  1. einfacher Pieter d'or (75 Stück auf die Troymark, also 3,24g Raugewicht)
  2. doppelte Pieter d'or (37¾ Stück auf die Troymark, also 6,48g Raugewicht)

Reine d'or unter Philipp III.

52 Stück auf die 24 karätige Troymark (also 4,7g Gold)

Royal d'or (Florenus Regales aurei, Florin Royaux d'or) nicht vor 1326 unter Karl IV. und Philipp VI., zeigt den stehenden König mit Zepter in einer gotischen Estrade; vgl. die Abbildung.

Royal d'or

Der Royal d'or zeigt den stehenden König (hier Karl IV.) mit Zepter in einer gotischen Estrade.

4,2g (seltsam im Vergleich zum Parisis d'or, außerdem weist ein entsprechendes Münzgewicht nur 2,856g aus.)
1 Royal d'or = 25 s.t. = 1 livre parisis
Ähnliche Münzen mit gleichem Nominalwert gibt es bis hin zu Karl VII. nun aber mit zwei Zeptern.

Royaux durs (Regales duri, durus = hart) 1310 unter Philipp IV. haben ihren Namen wegen des geringeren Goldgehalts, weshalb sie härter sind.

24½ Stück aus der 22-karätigen Mark (also 9,99g Raugewicht und 9,157g Feingewicht)
unplausibel: du Cange nennt 5d 12gr = 132gr = 7,01g als Gewicht, was einer Aufzahl von 35 entspricht.
1 Royaux d'or = 30 s.t.
Da die Münze einen sitzenden König mit Zepter abbildet, wird sie auch «masse», «chaise» oder «grand florin» genannt.

Salut d'or (1422–1453) englisch-französische Münze unter Heinrich VI. (Abbildung)

Salut d'or

Der Salut d'or wird unter Heinrich VI. herausgegeben, der kurzzeitig König von England (1429) und Frankreich (1431) ist; siehe Wappen beider Länder. Der Name der Münze bezieht sich auf Mariä Verkündigung durch den Engel Gabriel.

Salut d'or zu 3,43g
1 Salut = 1 Floren = ½ englischer Nobel
Unterstück: 1 Angelot = ⅔ Salut

Schild siehe Écu d'or.

Ausgewählte französische Silbermünzen

Gros tournois oder großer Silberschilling bezeichnet den grossus denarius turnosus (= Turnosegroschen oder einfach Turnosen, s.t. = sols tournois), den Ludwig IX. 1266 in Frankreich als Zwölffaches eines denier tournois (12 d.t. = 1 s.t. = 1 Gros tournois) einführt.

58 Stück aus der 11 Deniers (Pfenniggewicht!) 12 Grän feinen Troymark
(also 4,22g Raugewicht, bzw. 4,04g Feingewicht)
JahrKönig Name
der Münze
Aufzahl

Feinheit
der Mark
Rau-
gewicht
Fein-
gewicht
nomin.
Wert
Preis
d.t./g
1266Ludwig IX.gros tournois 5811 - 12 4,224,04 12d.t. 2,97
1305Philipp IV.gros tournois 5811 - 124,224,04 15d.t. 3,71
1318Philipp V.gros tournois(*) 59 1/611 - 124,1373,96 15d.t. 3,78
1329Philipp VI.gros tournois 6011 - 124,0793,91 12d.t. 3,07
1329Philipp VI.gros parisis 4812 - 05,15,1 15d.t. 2,94
1337Philipp VI.gros à la couronne 9610 - 162,552,266 10d.t. 4,41
1341Philipp VI.gros à la fleur de lis 846 - 02,911,457 15d.t. 10,30
1349Philipp VI.gros à la queüe 726 - 03,41,7 15d.t. 8,82
1355Johann II.gros à la queüe 723 - 03,40,85 15d.t. 17,65
1365Karl V.gros tournois 9612 - 02,552,55 15d.t. 5,88
1384Karl VI.gros tournois 9612 - 02,552,55 15d.t. 5,88
(*) In du Cange (1883–1887, Bd. 3, Spalte 942) heißt es: 11. den. obol. argenti puri, wobei «obol.» wohl als Obolus oder halber (Gewichts-)Pfennig zu interpretieren ist (also 12 Grän). Außerdem sind die angegeben «12. den. Paris.» in 15 d.t. umgerechnet worden.

Vor allem der gros à la fleur und der gros à la queüe sind also minderwertig (oder überbewertet) und demnach als nominale Münzen zu begreifen.
Für die Berechnung von Gold-Silber-Relationen eigenen sich wegen ihrer Feinheit vor allem der gros parisis von 1329 und der gros tournois von 1365. In dieser Zeitspanne ist der Wert des denier tournois (d.t.) exakt halbiert worden.
Der Gros tournois wird als Großsilbermünze vielfältig nachgeahmt und erobert als Mehrfachpfennig bzw. Groschen vor allem den deutschsprachigen Raum.

Maille demie (1295–1303) unter Philipp IV. entspricht einer halben Gros tournois, die nun 15 d.t. gilt.

116 Maille demie aus der 11 Deniers (Pfenniggewicht!) 12 Grän feinen Troymark
(also 2,11g Raugewicht, bzw. 2,02g Feingewicht)
1 Maille demie = 7½ d.t.

Turnosegroschen, siehe Gros tournois

Zusammenfassung

Zumindest die kursiv gesetzten Angaben müssen überprüft werden, in der Regel weil sie unplausibel sind.

Die Angaben zur Feinheit der Troymark Silber sind kompliziert, weil man von Königssilber (d'argent-le-roi pout l'argent) ausgeht, das aus 11 deniers 12 grains Feinsilber besteht. Wird also die Feinheit der Troymark als 9d angegeben, dann ist 8d 15gr Feinsilber gemeint (Dezimalrechnung: 9 * 11,5 / 12 = 8,625). In der Tabelle beziehen sich die Angaben auf Feinsilber.

König

Name
der Münze
Jahr

Aufzahl

Feinheit
der Mark
Rau-
gewicht
Fein-
gewicht
nomin.
Wert
Ludwig IX. Au ecu d'or 127058⅓24 - 04,1964,19610st
Ag gros tournois 12665811 - 12 4,2204,04412dt=1st
BL denier parisis 1¼dt
BL denier tournois 1dt
Philipp III. Au denier à la reine 5224 -04,7064,70612|15st
Ag gros tournois 5811 - 124,2204,04412dt
denier tournois
Philipp IV. Au petit royal
«petit florin»
12857024 - 03,4963,49610st
1290693,547
13057024 - 03,4963,49613¾st
masse d'or
«(aussi) gran royal»
12963521 - 06,9936,11925st
1308269,14125st 3dt
13093522 - 06,9936,41030st
376,61520st 8dt
131034½22 - 07,0946,50330st
royaux durs 131024½22 - 09,9909,15730st
chaise d'or 130334½7,094
13083524 - 06,9936,993 20st
denier à la reine
«petite masse»
1305524,706
130816st 8dt
dann544,53214st
bon à la reine 130852½4,66215st
mantelet
«petit royal debout»
13057024 - 0 3,496 3,49613¾st
agnel d'or, «agnelet»
«petit mouton»
131359 1/624 - 04,1374,137 15st
1310≈59,84 4,090 15st
131158⅓24 - 04,1964,19620st
Ag gros tournois 12855811 - 124,2194,04412dt
12955811 - 124,2194,04415dt
gros tournois à l'O rond 13055811 - 124,2194,04415dt
gros tournois à l'O long 5811 - 124,2194,04415dt
maille blanche
«maille demie»
129511611 - 122,1102,0227½dt
maille tierce à l'O rond 13061741,4065dt
maille tierce à l'O lond 12951741,4065dt
Ludwig X. Au agnel d'or, «mouton» 131459 1/624 - 04,1374,13720st
131515st
Ag denier tournois de billon
Philipp V. Au agnel d'or, «mouton» 131859 1/624 - 04,1374,137 15st
Ag gros tournois d'argent 131859 1/611 - 124,1373,965 15dt
Karl IV. Au agnel d'or 132159 1/624 - 04,1374,13720st
132218s9dt
royal d'or, «roial double» 13255824 - 04,2194,21925st
Ag gros tournois d'argent 1323584,219
   cum O rotundo 16dt
   sine O rotundo 15½dt
gros tournois 132659 1/611 - 124,1373,96415dt
maille blanche (a) 1326118⅓11 - 12 2,0681,9827½dt
maille blanche (b) 13261358 - 7½ 1,8131,3038dt
Philipp VI. Au royal d'or 13285824 - 04,2194,219 35st
132922s6dt
133015st
parisis d'or 132933 2/524 - 07,3287,32837s6dt
133025st
13293324 - 07,4177,41725st
lion d'or 13385024 - 04,8954,89525st
pavillon d'or 13394824 - 05,0985,09830st
couronne d'or 13404524 - 05,4385,43840st
double d'or 13403624 - 06,7986,79860st
dann3623 - 06,7986,51560st
ange d'or 13413324 - 07,4177,41775st
dann3824 - 06,4416,44175st
13424224 - 05,8275,82785st
écu d'or fin à la chaise 13365424 - 04,5324,53220st
134345|56st
134716s8dt
écu à la chaise 13485423 - 04,5324,34418s9dt
dann5422 - 04,5324,15520st
14495421 - 04,5323,96625st
florin Georges 134152⅔4,64748st
13465224 - 04,7074,70720st
chaise d'or 13465224 - 04,7074,70720st
Ag gros parisis 13294811 - 125,0994,88715dt
gros tournois 13296011 - 124,0793,90912dt
13436011 - 124,0793,9093s4d
gros à la couronne 13379610 - 5⅓2,5502,17210dt
13401085 - 182,2661,08610dt
gros à la fleur de lis 1341845 - 182,9141,39615dt
13421205 - 182,0400,97715dt
gros à la queue 1348725 - 183,3991,62915dt
Johann II. Au ecu d'or à la chaise 13515421 - 04,5323,966 25st
dann5420 - 04,5323,777 25st
dann5418 - 04,5323,399 25st
denier aux fleurs de lys 13515024 - 04,8954,89540st
mouton d'or 13555224 - 04,7064,70625st
demi-mouton «agnelet» 13571022,35215st
franc à cheval 13606324 - 03,8853,88520st
grand franc d'or fin 13614224 - 05,8275,82730st
royal d'or fin 135866 24 - 03,7083,70825st
13596924 - 03,5473,54725st
136040st
Ag gros à la queue 1355723 - 5,625 3,399 0,46515dt
dann1002 - 9½2,4480,24415dt
gros tournois 13597511 - ½3,2632,99724dt
13618411 - 122,9142,79224dt
Karl V. Au franc à cheval 13646324 - 03,8853,88520st
franc à pied 13656424 - 03,8243,82420st
Ag gros tournois 13648411 - 122,9142,79215dt
13659611 - 122,5502,44315dt
blanc au K 1365963 - 202,5490,8145dt
Karl VI. Au écu d'or à la couronne 13846024 - 04,0794,07922st
13856024 - 04,0794,07922s6dt
138961⅓24 - 03,9913,99122s6dt
14116424 - 03,8243,82422s6dt
14196423 - 03,8243,66530st
14206624 - 03,7083,70822s6dt
agnel d'or, «mouton» 14179623 - 02,5502,44320st
dann9622 - 02,5502,33720st
double d'or 14204024 - 0 6,1186,118160st
salut d'or 14216324 - 03,8843,88425st
Ag grossus 1413658 - 153,7652,70620dt

Die Periode 1422–1461 ist mit zwei Namen verbunden: Karl VII., König von Frankreich, und Heinrich VI., König von England. Beide werden 1422 gekrönt und sterben 1461. Bis zum Ende des hundertjährigen Krieges um die französische Krone (1453) betreiben beide Seiten ihre eigene Geldpolitik. Obwohl beide Parteien sehr ähnliche Münzen herstellen (z.B. Moutons, Écus d'or à la Couronne), so weichen ihre nominalen Werte doch zum Teil beträchtlich voneinander ab. Zu den Details vergleiche de Vilevault und de Bréquigny: Ordonnance des roys de France de la 3e race, 1782, S. xciv–ci.

Anmerkungen zu wenig plausiblen Angaben

Anmerkung 1: Unter Philipp IV. werden um 1300 verschiedene Münzen geprägt:

Anhand des Chaise d'or würde sich Gold : Silber = 1 : 28,91 ergeben. Dieses Verhältnis ist völlig unplausibel und widerspricht auch dem realistischeren Wert für den Florin d'or (Gold : Silber = 1 : 9,14)

Anmerkung 2: Die etwa gleichzeitig hergestellten Parisis d'or und Royal d'or widersprechen sich.