Niederländisches Münzsystem

Die nachstehenden Angaben sind van den Chijs (1852) sowie Hermans (1848) entnommen worden. Man beachte, dass sowohl Gold- als auch Silbermünzen im Laufe der Zeit immer geringwertiger ausgegeben werden (siehe etwa den Rheinischen Goldgulden). Außerdem hat sich das Tauschverhältnis von Gold zu Silber über die Jahre verändert (kaum Gold- aber vermehrte Silberproduktion). Interessanter sind daher die relativen Tauschverhältnisse zwischen Goldmünzen zum jeweiligen Zeitpunkt. (Man beachte außerdem, dass die Devalvation einer fremden Münze auch als währungspolitische Maßnahme gesehen werden kann. Nach dem Greshamschen Gesetz werden die nun unterbewerteten fremden Münzen durch die relativ überbewerteten heimischen Münzen im eigenen Währungsgebiet verdrängt.)
1 Schilling (s) = 6 Stüber (st) = 12 Pf. (d)
Die Daten reichen von 1474 bis zum Münzvertrag des Jahres 1499, wobei man sich die relevante politische Situation des 15. Jahrhundert am Besten durch eine Karte

Der burgundische Staat 1363–1477

in Erinnerung ruft. Dabei ist wichtig, dass spätestens mit dem Tod Karls des Kühnen 1477 der Versuch gescheitert ist, Burgund als weiteren Staat zu etablieren. Seine Tochter Maria erbt zwar die Niederlande, doch muss sie den Generalstaaten der Niederlande mit dem «Großen Privileg» entgegenkommen. Durch Marias Heirat mit dem späteren Kaiser Maximilian I. von Habsburg beginnt nach Marias Tod 1482 die habsburgische Herrschaft. Solche Umbrüche haben natürlich immer auch währungspolitische Einschnitte zur Folge.
1474 1474 1478 1482 1485 1486 1489 1491 1493 1499
Münzsorte s - d st st st st st st st st
Rosennobel

Rosennobel

Unter Edward IV. von England wird seit 1465 der Rosennobel als neue Goldmünze in leicht abgeänderter Form ausgegeben. Er zeigt auf der Vorderseite als Anspielung auf das Haus York, das mit Edward IV. auf den englischen Thron gekommen ist, zusätzlich eine auf das Schiff aufgelegte fünfblättrige Rose.

11-46877/7684 9396566881/82
Henricus Nobel

Henricus Nobel

Gegen Ende seiner Regierungszeit (1412) lässt Heinrich IV. (1399–1413), König von England, das Rauhgewicht des Nobel auf 7g reduzieren; die abgebildete Münze wiegt 6,96g. Zuvor ist das ursprüngliche Rauhgewicht von 8,86g zunächst auf 8,33g in der Goldprägeperiode 1346–1351 und in der Periode 1351–1377 auf 7,78g unter Beibehaltung von Feingehalt und Nennwert verringert worden.

9-8586674 8480506072
Flämischer Nobel

Flämischer Nobel

Dieser flämischer Nobel ist mit einem Gewicht von 7,49g eine Imitation eines englischen Rosennobel von Edward IV. (1461–1483).

9-4566470 78485870/71
(Gouden) Leeuwe

Lion d'or (Gouden Leeuw)

Der Lion d'or ist eine Goldmünze, die zunächst Philipp IV. von Frankreich 1338 mitgebracht hat und die 4,9g Feingold enthält. Das abgebildete Exemplar mit dem namengebenden Löwen im Avers ist ein Lion d'or Philipps des Guten von Burgund. Er ist nach 1454 in Flandern hergestellt worden und wiegt 4,21g.

6-0364043 4449303642
Wilhelmus Schild

Wilhelmus Schild

Herzog Wilhelm III. von Jülich-Kleve-Berg lässt 1393–1402 Écu d'or (Klinkaert) ausbringen; er ist am jülicher Löwen auf dem Avers zu erkennen. Entsprechend seiner Wertigkeit sollte er ein wenig schwerer sein als der Johannes und der Philippus Klinkaert. Er wird wie ein burgundischer Andreas Gulden gehandelt.

4-0242730 333324
Johannes Schild3-102328 3232492327½
Johannes Klinkaert

Johannes Clinckert oder Klinkaert

Der Écu d'or, den Johann IV. — Herzog von Brabant und Limburg sowie Graf von Graf von Hennegau, Holland und Seeland — in Maastricht 1415–1427 prägen lässt, wiegt 3,40g. Er wird auch Klinkaert (écu d'or) genannt und sein Wert entspricht ziemlich genau einem Rheinischen Goldgulden.

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Philippus Schild20 252449
Philippus Klinkaert

Philippus Klinkaert

Mit dem Tod des Herzogs Johann IV. folgt 1427 Philipp von Saint-Pol als Herzog von Brabant und Limburg. Sein écu d'or oder Klinkaert (1427–1430) wiegt 3,56g.

Auch Herzog Philipp der Gute von Burgund lässt in Flandern gouden schild klinkaert prägen (1419–1467). Die abgebildete Münze von 1426 wiegt 3,65g.

2-81618 1620
burgund. Gulden =
(St.) Andriès Gulden

Andreas Gulden (Florin d'or de Bourgogne)

Der Andreas Gulden oder Florin d'or de Bourgogne zeigt den hl. Andreas mit Kreuz im Avers. Herzog Karl der Kühne von Burgund hat ihn 1467–1477 ausbringen lassen. Die abgebildete Münze wiegt 3,39g.

4-024 2730 3333202428
rhein. (Kfst-)Gulden3-10232628 323248½232720
Ungarischer Gulden (Dukat)

Ungarischer Gulden (Dukat)

Dieser ungarische Goldgulden (1458–1466) ist unter Matthias I. Corvinus gemünzt worden und wiegt 3,42g.

5-029(?)3438 42 41263134/36
bayrische Gulden2-6151618 201519
Arnolds Gulden

Arnolds Gulden, niederländischer Goldgulden

Der Goldgulden (Florin d'or) Arnolds von Egmont, Herzog von Geldern (1423–1473, mit Unterbrechungen), wiegt 3,19g. Später werden solche Gulden Rijder genannt, weil das Avers dann einen Reiter aufweist.

1313½ 16161210½
franz. Krone (écu)

französische Krone (écu d'or à la couronne)

Der Ecu d'or à la couronne (mit der Krone) von 3,78g zeigt den bekrönten Schild im Avers und ist unter König Karl VI. (1380–1422) geschlagen worden.

4-627
Krone ohne die Sonne 383428
Krone mit der Sonne

Krone mit der Sonne (écu d'or au soleil)

Im Jahr 1475 lässt König Ludwig XI. (1461–1483) den Ecu d´or au soleil im Feingewicht von etwa 3,37g (später 3,44g) schlagen, der eine kleine Sonne über der Krone zeigt. Die abgebildetet Münze wiegt 3,33g.

3336/35 39393429
Krone Ludovicus/Karolus3234 38
Salut d'or

Salut d'or

Dieser Salut d'or (1422–1450) Heinrichs IV. von England zeigt zum Ende des 100jährigen Krieges im Avers die Schilde von Frankreich und England.

4-10293337 4240253035
Peter (vermutl.
Pieter d'or)

Pieter d'or

Der Pieter d'or ist eine brabanter Goldmünze von etwa 4,05g, die Johanna und Wenzeslaus 1355–1383 schlagen lassen. Sie zeigt im Avers das Brustbild des hl. Petrus, der das Wappen von Brabant und Limburg hält. Später hat man in Löwen auch 22-karätige Pieter d´ors im Rauhgewicht von ca. 3,6g geprägt.

Auch Herzog Philipp der Gute von Burgund hat in Brabant 1433–1434 Pieter d'or mit einem Gewicht von 3,2g schlagen lassen, wobei der hl. Peter nun den burgundischen Schild hält.

4-4262224 27292022
geldrische Rieder

Karls Gulden, niederländischer Goldgulden, Rijder

Karl von Egmont, Herzog von Geldern (1492–1538), lässt Goldgulden (Florin d'or, geldrische Rieder) mit einem Rauhgewicht von 3,25g prägen. Der Reiter auf dem Avers wird zum Namensgeber dieses Gulden; er heißt auch Reitergoldgulden (chevalier d'or) oder Rijder.

24 271822
Die Vermutung liegt nahe, dass Johannes Schild (écu = (Wappen-)Schild) und Johannes Klinkaert dieselbe Münze bezeichnen. Das Gleiche gilt für den Philippus Schild, zumal in einigen Münzhandlungen gouden schild klinkaert angeboten werden. Geht man davon aus, dass Klinkaert eine Verballhornung des Écu d'or ist, wird klar warum nicht der Wilhelmus Écu d'or, sondern der Wilhelmus Schild aufgelistet ist. Ein Vergleich der Rauhgewichte der Münzen mit ihren Werten zeigt, dass die Angaben nicht unbedingt stimmig sind.

Der geldrische Rieder heißt in Gelderland Rijder

Karls Gulden, niederländischer Goldgulden, Rijder

Karl von Egmont, Herzog von Geldern (1492–1538), lässt Goldgulden (Florin d'or) mit einem Rauhgewicht von 3,25g prägen. Der Reiter auf dem Avers wird zum Namensgeber dieses Gulden; er heißt auch Reitergoldgulden (chevalier d'or) oder Rijder.

(cavalier, chevalier d'or) und meint den Reiter auf dem Avers der Münze (2,911g Feingold). Die ersten Rijder dürfte Arnold v. Egmond, Herzog v. Geldern 1423–1472) geschlagen haben (Arnolds Gulden

Arnolds Gulden, niederländischer Goldgulden

Der Goldgulden (Florin d'or) Arnolds von Egmont, Herzog von Geldern (1423–1473, mit Unterbrechungen), wiegt 3,19g. Später werden solche Gulden Rijder genannt, weil das Avers dann einen Reiter aufweist.

), der dem Rijder Philipps des Guten

Rijder Philipps des Guten (1434–1437)

Der Goldgulden oder Rijder (cavalier d'or) Philipps des Guten (Filips de Goede), Herzog von Burgund, findet vor allem in den burgundischen Niederlanden Verbreitung. Er wiegt 3,55g.

stark ähnelt. Neben solchen Provinzialrijdern wird auf Beschluss der Generalstaaten seit 1606 ein niederländischer Rijder mit 9,2g Feingold für den Handel geschlagen.

Preise ausgewählter Gold- und Silbermünzen in Stüber
Münzsorte 1559 1572 1586 1603 1606 1608 1619 1622 1638 1645
Angelot 6670101,5109 112116117124130140
Dukat1)45476874 768082859095
Fr. Écu41436168 707575788088
Reichstaler1)30324547 474850505050
Patagon 475050
Löwentaler3)3638 383840404040

1) Ungarische Dukaten und niederländische Dukaten ab 1586
2) Reichstaler des Heiligen Römischen Reichs, niederländischer Rijksdaalder ab 1572 und burgundischer Kreuztaler (kruisrijksdaalder)
3) Der Löwentaler (leeuwendaalder) ersetzt in der Republik der Sieben Vereinigten Niederlande ab 1575 den burgundischen Kreuztaler.
Quelle: van der Beek et al. (2009), S. 43.
1566: Laut Augsburger Reichsmünzordnung sind 9 Reichsthaler / Rijksdaalder / Rigsdalder / Riksdaler / Rixdollar aus der feinen kölner Mark zu schlagen.
Dieser Reichstaler oder Speziestaler (also gemünzte Taler) muss sehr bald von der Währungseinheit Reichstaler (bloße Rechnungsmünze) unterschieden werden, weil der Rechnungstaler immer weniger Silber enthält, rechnerisch also immer mehr für den Speziestaler bezahlt werden muss.

1568—1648: Im Achtzigjährigen Krieg erkämpft sich die Republik der Sieben Vereinigten Niederlande ihre Unabhängigkeit von der spanischen Krone. Durch ihre wirtschaftliche Macht nimmt die Provinz Holland (1612: ca. 57% des Steueraufkommens, davon mehr als die Hälfte in Amsterdam) in den Vereinigten Niederlanden eine Hegemonialstellung ein. Brabant (Antwerpen), Flandern (Brügge, Gent) und der Hennegau gehören zu den südlichen spanischen Niederlanden.

1602 wird die Vereinigte Ostindische Companie (VOC) gegründet, die in den Überseegebieten volle Souveränität einschließlich der Kriegsführung im Namen der Republik genießt. Für ihren Handel prägt die VOC unter anderem eigene Gulden und Silberne Reiter (Dukatone).

1609 wird die Bank von Amsterdam als Wechselbank gegründet. Sie dient einerseits dem bargeldlosen Zahlungsausgleich und soll helfen, Herr über das Chaos im Münzwesen zu werden. Durch den überregionalen Handel fließen unzählige Münzen nach Amsterdam, die sich nach Sorten und Qualität (Kipper und Wipper Zeit) sehr stark unterscheiden. Die Bank akzeptiert so gut wie jede Gold- oder Silbermünze sowie Barren aus Edelmetall, taxiert sie nach ihrem inneren Wert (Gold- oder Silberkern) und schreibt den Wert als «Bankgulden» gut. Wie die VOC gibt sie Münzprägungen in Auftrag, wobei sie sich an die Münzordnung halten muss, die die Provinzen in den Generalstaaten vereinbart haben.

Der Niederländische Gulden hat fast nichts gemein mit den deutschen Gulden. Die ersten Goldgulden (Gout-Gulden aus Silber!) werden 1601 in Friesland geprägt und heißen wegen ihres Wertes zu 28 Stüver auch Achtentwintig. Gleichzeitig hat sich der Name Gulden schon als allgemeine Bezeichnung für die niederländische Hauptmünze (in Silber) durchgesetzt. Das Feingewicht des Gulden holländisch ist 9,65g (seit 1816 9,61g) gewesen und der Gulden bleibt neben den Dukaten bis 1838 die Hauptkurantmünze der Niederlande. Rechnungsmünze ist der Gulden
1 Gulden = 20 Stüber à 16 Pf. holländisch (vor 1816, danach 100 Cent)
1 Gulden = 40 Grot oder Pf. flämisch (vlaams)
Umrechnung

Ab 1618 darf der Patagon (Albertustaler oder (Andreas-)Kreuztaler) aus den spanischen Niederlanden in die niederländische Republik (Vereinigte Niederlande) eingeführt werden. Er ist zunächst 50 Stüber wert, wird aber ab 1622 wegen des niedrigeren Silbergehalts offiziell zu 47 Stüber berechnet. Auf den Märkten wird er dennoch wie der Reichstaler zu 50 Stüber gehandelt. Wie das Greshamsche Gesetz erwarten lässt, hat der Patagon oder auch Silberdukat zu 24,65g Feinsilber 15 Jahre später den etwas hochwertigeren Reichstaler zu 25,98g verdrängt. Ähnliches gilt für den Dukaton (Silberner Reiter) aus Gelderland mit einem Feingehalt von zunächst 22,98g Silber (1581). Nach 1618 wird der Dukaton auf etwas mehr als 30g Feinsilber (später 28,88g) umgestellt, so dass er als silbernes Äquivalent zum goldenen Dukaten dient. Zunächst hat der Dukation einen Wert von 3 Gulden oder 60 Stüber. Es zirkulieren der Patagon zu 50 Stüber und der Dukaton zu 63 Stüber.

Nach Meyers Konversationslexikon (1888, Art. Girobanken, Bd. 2, S. 323) akzeptiert die Bank von Amsterdam nur vollwertige niederländische Reichstaler, die mit 528 ⅓ As (25,39g) Feinsilber gutgeschrieben werden; es handelt sich daher um Bankgeld. Dem entsprechend wiegt der (Bank-)Gulden 213 3/4 As (10,27g).

Das Geld in Holland ist entweder Kurant-Geld (auch Kassen-Geld) oder Bankgeld. Bank-Geld ist gemeinhin 4% bis 5% besser als das Kurant-Geld, weil dieses in der «Kipper und Wipper» Zeit immer weiter verschlechtert worden ist. Der Aufschlag wird das Bankagio genannt, wobei zu beachten ist, dass das Bankgeld natürlich an die Bank von Amsterdam gebunden ist.

Geprägte Münzsorten.