Lübisches Münzsystem

Häufig verwendete Abkürzungen in diesem Abschnitt

Lübisches Münzsystem

Das Lübische Münzsystem (Wendischer Münzverein, etwa 1379–1569) basiert auf einer Münzmark in Silber mit der Einteilung
1 Mark lübisch (Ml.) = 16 Schillinge lübisch (ßl.) = 192 Pfennige lübisch (dl.)
1 ßl. = 12 dl.
und    1 Witten = 4 dl.    sowie (etwa ab 1410)    1 Blaffert = 2 dl.
Zu den vier regelmäßig teilnehmenden Städten gehören Hamburg, Lübeck, Wismar und Lüneburg. Weitere Teilnehmer, die die Regelungen zum Teil stillschweigend einhalten, sind unter anderen die Hansestädte Rostock, Stralsund und Greifswald, die Fürstenstaaten Pommern und Mecklenburg sowie Dänemark einschließlich Schleswig-Holstein. Lübeck erwirbt das volle Münzrecht 1226, Stade 1272, Lüneburg 1293, Kiel 1318, Hannover 1322, Stettin 1345, Wismar 1359. Hamburg pachtet zunächst seine Münze 1293. Im Jahr 1325 verkaufen die Grafen von Holstein die Münze an Hamburg. Greifswald, Anklam, Stralsund und Rostock (sundischer Münzverein) erwerben das Münzrecht ebenfalls 1325.

Im Jahr 1255 bekunden Lübecker und Hamburger in einem Vertrag erstmalig, welchen Gehalt gemeinschaftlich zu schlagende Pfennige haben sollen. (34 ß aus der Silbermark)
Vgl. Hamburgisches Urkundenbuch (1842), Bd. I, No. DXCI, S. 487f. sowie Lübeckisches Urkundenbuch (1843), 1. Abt., 1. Teil, No. CCXVIII, S. 198 f.
Einen erneuerten Vertrag mit gleichem Münzfuß hat es 1304/1305 gegeben.

1329 wird die feine Mark zu 3 Ml. 2 ßl. 8 dl. ausgeprägt, jedoch schon 1346 zu 3 Ml. 9 ßl. 8 dl., dann 1372 zu 4 Ml. 2 ßl. 4 Pf. und 1375 zu 4 Ml. 3 ßl., wobei zu bemerken ist, dass das Silber lübischen Zeichens damals nur 14¼lötig gewesen ist (de marca was gespiset mit VII quentin), und diese Mark wird nun auch öfters marca puri genannt.

1356 haben alle Kurfürsten mit der Goldenen Bulle das Recht erhalten, goldene Münzen zu schlagen. Das ändert zwar die Währungsverhältnisse im Reich, ist für das lübische, auf Silber basierende System aber eher von untergeordneter Bedeutung, zumal die reichsfreie Stadt Lübeck bereits seit 1340 Goldgulden

Lübischer Goldgulden

Das Recht zur Prägung von Goldmünzen hat die reichsunabhängige Stadt Lübeck 1340 vom deutschen König Ludwig dem Bayern erhalten. Dabei wird verlangt, dass sich die Lübecker Goldmünze in Gewicht (3,56g Feingold) und Wert nach dem Fiorino d'oro aus Florenz zu richten habe.

ausmünzen darf.

1358 Die Hanseatische Liga errichtet ihr Verwaltungszentrum in Lübeck – der «Königin der Hanse».

1379 (ähnlich schon 1373) wird von Hamburg, Wismar und Lübeck ein Münzrezess abgeschlossen, dass man auf 16 Lot lübischen Silbers (14¼lötig!) 3 Lot Kupfer zusetze (das ergibt 19 Lot Gewicht aus 12lötigem Silber) und daraus große Pfennige – also Witten – zu 4 Pfennigen schlage, und die Schrotung soll auf die gewogene Mark 3 Ml. 2 ßl. ≈ 608 dl = 152 Witten halten. Diese 152 Witten aus der 12lötigen Silbermark entsprechen 4 Ml. 3 ßl. 7 Pf. ≈ 810⅔ Pf. = 202⅔ Witten aus der feinen Mark; und so werden 1384 und 1387 aus der marca puri 180 Witten (= 45 Wurf) geschrotet.
Mit diesem Rezess stimmen nun freilich die Resultate der Untersuchungen, welche im 19. Jahrhundert mit entsprechenden Münzen angestellt worden sind, nicht überein.

Oekonomische Encyklopädie: In dem übrigen Niederdeutschland, wo die Lübische Währung gilt, prägt man meistens Pfennige und Schillinge, gleichwohl auch Witten (Weißpfennige), Plapper und Groschen aus. (Witten hat es schon im 14. Jahrhundert gegeben.)
Im Folgenden ist nicht immer klar, ob die Münzen vollwertig sind. Mark, Schilling und Witten sollten Kurantmünzen sein, dagegen dürften Plapper, Plafferte und Pfennige Scheidemünzen sein. Der lübische Schilling wird ab 1432 und die lübische Mark ab 1502 geprägt, bis dahin sind sie jeweils reine Rechnungsmünzen.

1403 wird zu Wismar ausgemünzt:

1411 einigen sich die drei Städte Hamburg, Lüneburg und Lübeck auf folgende Münzen:

1461 machen die Städte unter sich eine neue Münzordnung aus und lassen einfache Schillinge und Doppelschillinge münzen;

1502 werden die ersten lübischen Markstücke geprägt (Mecklenburg).

1506 lässt die Stadt Hamburg von neuem Witten, Plafferte und Pfennige ausprägen.

Im gleichen Jahr einigen sich sämtliche Seestädte darauf, drei verschiedene Markstücke als zum Taler konkurrierende Großsilberprägungen ausmünzen zu lassen:

1515 münzen sie Schillinge

1517: 1 Gulden lübisch = 2 Ml. 3 ßl. = 35 ßl.
(Der lübische Gulden ist eine Goldmünze zu 73,2 As = 3,52g.)

1519 münzt die Stadt Hamburg die ersten Taler bzw. Guldiner

Lübecker Taler bzw. Guldiner

Dieser Guldiner der Reichsstadt Lübeck von 1528 wiegt 29,42g und zeigt das Bildnis von Kaiser Karl V.

aus. 1524: 1. (Eßlinger) Reichsmünzordnung

1533: 1 Joachimstaler = 2 Ml. 13 ßl. = 45 ßl.

1537: Lübeck lässt unter seinem Bürgermeister Nikolaus Brömse den Brömsentaler

Brömsentaler

Dieser Brömsentaler der Stadt Lübeck (1537) ist nach dem damaligen Bürgermeister Nikolaus Brömse benannt, dessen Zeichen – die Bremse – in der Umschrift zu finden ist. Die Feinheit des Talers von 14 4/9lötigem Silber orientiert sich am sächsischen Standard und er wiegt 28,5g.

nach sächsischem Vorbild prägen.

1546: Mit dem Taler produzierte der Verein erstmals gemeinsam eine fremde Silbermünze.

1551: 2. Reichsmünzordnung

1554: 3. Reichsmünzordnung

1559: 1 ßl. = 19,6 As = 0,94g Feinsilber. Wert 1 Gr. 3 Pf.

1564: 258 Taler lübisch 2 ßl. = 500 Ml. oder 1 Taler = 31 ßl.

1566: Reichsmünzabschied

1567: Der Auschusstag des Niedersächsischen Kreises lässt lübische Schilling nicht mehr zu, weil er nicht der Reichsmünzordnung entspricht. Dennoch halten Hamburg und Lübeck an ihm fest.

1569: Der Münztag von 1569 wird allgemein als der letzte des wendischen Münzvereins gesehen, ohne eine formelle Auflösung zu beschließen.

seit 1571: 1 Ml. = ½ Taler oder 1 Taler = 32 ßl.
1583: 1 Rheinischer Gulden = 1 Ml. 4 ßl. = 20 ßl.

1620: Münzedikt zwischen Lübeck, Mecklenburg, Hamburg und Bremen, in dem Edikt wird die "Marck Lübeckisch" mit dem Symbol bezeichnet.

seit 1622/24: 1 Ml. = 16 ßl. = ½ Gulden = ⅓ Reichstaler = 1/27 feine Kölner Mark (27-Markfuß)

1667 folgt Hamburg dem Zinnaischen Fuß.

Um 1670 beginnen die Städte Lübeck und Hamburg, 1- und 2-Mark-Stücke zu prägen, die den dänischen 2- und 4-Mark-Stücken und dem besseren silbernen Gulden sowie den um 1660 geprägten Nominalen von Oldenburg und Bremen-Verden entsprechen. Neben dem Species- und Bankotaler entwickelt sich damit eine Kurantwährung, seit 1726 im 34-Markfuß. Zunächst bleibt eine Gleichheit im Münzfuß mit Dänemark und Schleswig-Holstein gewahrt.

Bei Anwendung des Zinnaischen Fußes (1667) müsste Folgendes gegolten haben:
1 Speziestaler = 7/6 Reichstaler = 3½ Ml. = 56 ßl.
(Speziestaler im 9-Talerfuß, Reichstaler im Zinnaischen 10½-Talerfuß, also 31½-Markfuß)

1669: Prägung von 4-Schillingstücken im 34-Markfuß.
1673–78: 2-Schillingstücke im 32-Markfuß
1675: 1-, 2-Markstücke im 30-Markfuß
1687: 2-Schillingstücke im 34½-Markfuß
1694: 31½-Markfuß bei groben Sorten also 1- und 2-Markstücke, (= Zinnaischer Fuß), 35-Markfuß bei 2-Schillingstücken
1726: 1 Speziestaler = 1⅓ Reichstaler = 2 Reichsgulden = 4 Ml. = 64 ßl. (2-Markstücke heißen daher Gulden)
(Speziestaler im 9-Talerfuß (Reichsfuß von 1566/1571), Reichstaler im Leipziger 12-Talerfuß, also 36-Markfuß)
1769: Hamburgischer Bankofuß: 27 5/8 Mark Banko à 16 ßl. = 9 5/24 Reichstaler à 48 ßl. = 13 13/16 Gulden = 1 feine kölner Mark
1777: Altonaer Bankofuß: 27¾ Mark Banko = 9¼ Reichstaler = 13 7/8 Gulden = 1 feine kölner Mark

An die Stelle der Münzmark tritt die stärker abgewertete Kurantmark (Mark Courant) von 1726.

1726–1848 (Lübischer Kurantfuß (= dänischer Münzfuß von 1693), 11⅓-Talerfuß):

34 Kurantmark = 1 Kölner Mark Feinsilber = 42 dt. Mark
1 Kurantmark = 6,878g = ⅓ Kuranttaler (11⅓-Talerfuß)
17 Kurantmark = 7 Taler preußisch (14-Talerfuß ab 1750)
68 Kurantmark = 49 Gulden (süddeutscher 24½-Guldenfuß)
17 Kurantmark = 10 Gulden (österreichischer 20-Guldenfuß)
100 Mark Banco = 122,523 Kurantmark = 40,841 Kuranttaler
Das Münzedikt von 1726 legt jedoch einen gesetzlichen Umtauschkurs von 100 Mark Banco zu 116 Kurantmark fest, womit die Kurantmark fühlbar überbewertet ist. Es benachteiligt vor allem das nach Silbergehalt gleichwertige dänische Geld, was einen Handelskrieg ausgelöst hat. Das auf ganzer Linie unterlegene Hamburg muss 1736 die gesetzliche Umtauschrelation aufgeben. Typischer Effekt – so wie ihn das Greshamschen Gesetz vorhersagt – ist außerdem, dass das überbewertete Kurantgeld vor allem für Steuerzahlungen an die Stadt aufbewahrt worden ist.
Gold/Silber = 1/14,7875
Kuranttaler (= 3 Mark), 2-Markstücke (sie heißen Gulden) und Markstücke werden im 34-Markfuß geprägt;
die Scheidemünzen Schillinge im 36-Markfuß sowie Sechslinge und Dreilinge im 38-Markfuß (hier findet man auch abweichende Angaben)
1 Kurantmark = 16 Schilling, 1 Kuranttaler = 48 Schilling
Der Kurantwährung schließen sich 1726 Lauenburg und 1763 Mecklenburg-Schwerin an.

1821 (preußische Münzreform): 2½ Kurantmark = 40 Schilling = 1 Taler (oder neuer Kuranttaler), also 35-Markfuß bzw. 14-Talerfuß (der spätere Doppeltaler wird in Hamburg zum 5-Mark-Stück)

1834 tritt der Zollverein in Kraft.

ab 1848:

35 Kurantmark = 1 Kölner Mark Feinsilber = 42 dt. Mark
1 Kurantmark = 6,682g = 1⅕ dt. Mark
100 Mark Banco = 126,126 Kurantmark = 42,042 Kuranttaler

ab 1871 (vgl. Reichsmünzreform): Das umlaufende Silberkurantgeld der Länder bleibt im Umlauf, aber die weitere Ausprägung wird verboten.

1 lübische oder hamburgische Kurantmark = 1⅕ dt. Mark = ⅖ preuß. Taler bzw. (neuer) Kuranttaler = ⅓ alter Kuranttaler
Basierend auf der dt. Mark (≈ 0,358g Gold) entspricht 1 Kurantmark also dem Gegenwert von 0,430g Gold. Bei einem tatsächlichen Silbergehalt von 6,682g hat man sich demnach an dem Tauschverhältnis zwischen Gold und Silber von 1 : 15,5 orientiert.
Vorsicht: Das Verhältnis von Gold zu Silber (1 : 15,5) ist nur noch für das alte, auslaufende Silberkurantgeld relevant. In der neuen Goldwährung werden die Silbermünzen zu unterwertigen Scheidemünzen.
Den Lübischen Kuranttaler (Thaler Courant lübisch) muss man in den alten und den neuen Kuranttaler unterscheiden. Der alte Kuranttaler à 48 Schilling ist eine Rechnungsmünze zu 3 Kurantmark. Als neue Kuranttaler werden die norddeutschen Taler zu 2½ Kurantmark bzw. 40 Schillingen bezeichnet.
1 alter Taler = 1 Hamburger oder Lübecker Kuranttaler = 3 Kurantmark
= 8/5 Reichsbanktaler = ⅘ Speziestaler = 1⅕ preußischer Taler = 3⅗ Reichsmark